Bezirk Mittelhessen

    Auch in hessischen KiTas erhöhter Fachkräftebedarf

    Auch in hessischen KiTas erhöhter Fachkräftebedarf

    Frankfurt, 29. Juni 2016. ver.di Hessen sieht sich durch die heute vorgelegte Bertelsmann-Studie bestätigt in der Behauptung, dass in Hessen mittlerweile flächendeckend Fachkräftemangel herrscht. Denn der Studie zufolge werden in Hessen 7.600 zusätzliche ErzieherInnen benötigt.  Dies entspricht einer Personalkostensteigerung um zirka 20 Prozent. Für Kristin Ideler, ver.di Gewerkschaftssekretären für den hessischen Sozial- und Erziehungsdienst, besteht das Problem aber nicht nur darin, dass für eine Qualitätssteigerung mehr Geld für die Einstellung von qualifiziertem Personal in die Hand genommen werden müsste.

    "Der Personalmangel ist hausgemacht. Die Arbeitgeber verweigerten sich in 2015 der dringend notwendigen Aufwertung der Sozial- und Erziehungsberufe. Dabei verbleiben schon jetzt laut einer aktuellen Studie der Hans-Böckler-Stiftung nur 50 Prozent der ErzieherInnen in ihrem Beruf. Und fast die Hälfte ist mit ihrer Vergütung unzufrieden, insbesondere alleinerziehende ErzieherInnen. Kein Wunder, betrug doch die Reallohnsteigerung in den letzten 17 Jahren gerade mal 16 Prozent, was der allgemeinen Preisentwicklung entspricht, von Aufwertung kann da gar keine Rede sein."

    Des Weiteren sieht die Bertelsmann Stiftung deutlichen Nachsteuerungsbedarf bei der Berücksichtigung mittelbarer pädagogischer Zeiten im Personalschlüssel. Im Hessischen Kinderförderungsgesetz (HessKiföG) werden diese gar nicht bei der Personalausstattung berücksichtigt und lediglich 15 Prozent Ausfallzeiten in die Berechnung einbezogen. "Die derzeitigen Regelungen entsprechen in keiner Weise der Realität in hessischen Kitas", sagt Kristin Ideler. "Neben den 15 Prozent für Ausfallzeiten sind die von der Bertelsmann genannten 25 Prozent zusätzlicher Personalkapazität für mittelbare pädagogische Arbeit – wie sie zum Beispiel der hessische Bildungsplan verlangt – das absolute Minimum, besser wären 50 Prozent.  Denn auch Zeiten für Leitungsfreistellung und Anleitung von Auszubildenden und JahrespraktikantInnen werden derzeit gesetzlich nicht berücksichtigt, beeinflussen aber den Personalschlüssel im Kita-Alltag."

    ver.di hat hierzu bereits vor längerem einen Entwurf für bundesweit einheitliche Qualitätsstandards in KiTas vorgelegt, der insbesondere den Rechten der Kinder auf eine gute Betreuung und Bildung Rechnung trägt. Diese ver.di-Standards sollten unbedingt bei den "Qualitätsdialogen" von Familienministerin Manuela Schwesig berücksichtigt werden. Kristin Ideler: „Es ist nicht nachvollziehbar, warum das finanzstarke Land Hessen, welches in der Studie schlechter als im Durchschnitt der westdeutschen Bundesländer abschneidet, nicht mehr Geld für eine Verbesserung des Personalschlüssels zur Verfügung stellt.“ Auch lehnt das Land Hessen laut Familienministerin Manuela Schwesig (Quelle: moma) ein bundesweites Qualitätsgesetz für KiTas ab. Dies ist nach Einführung des Hessischen Kinderförderungsgesetzes (HessKiföG) ein weiteres Indiz dafür, dass die Verbesserung der Qualitätsstandards in hessische KiTas für die Landesregierung keine politische Priorität hat. Dabei könnte sich Hessen aufgrund seines hohen Steueraufkommens sowohl eine Erhöhung der HessKiföG-Grundpauschalen zur Entlastung der Kommunen, als auch die Orientierung an höheren bundesweiten Qualitätsstandards leisten, um der Vergleichbarkeit der Lebensverhältnisse von Familien und ihren Vereinbarkeitsbedürfnissen besser Rechnung zu tragen.

    Quellen:

    http://www.soziale-berufe-aufwerten.de/w/files/medien/04/verwirklichung-von-kinderrechten-braucht-bundesweit-einheitliche-mindest....pdf

    http://www.laendermonitor.de/laendermonitor/aktuell/index.html

    http://www.boeckler.de/pdf/p_fofoe_wp_009_2016.pdf

    http://www.daserste.de/information/politik-weltgeschehen/morgenmagazin/videos/kita-studie-schwesig-kuendigt-qualitaetsverbesserung-an-100.html