ALG II-Tipps

    Vermögen

    Vermögen

    Wie werden Ersparnisse berücksichtigt?

    Im Unterschied zum "normalen" Arbeitslosengeld erhalten Sie das Alg II nur, wenn Sie "bedürftig" sind. Das Jobcenter prüft also, ob Sie ihren Lebensunterhalt nicht aus eigenen Mitteln – etwa aus Ihrem Vermögen – bestreiten können.

    Grundsätzlich gilt: Vermögen muss zunächst für den Lebensunterhalt verbraucht werden, bevor ein Anspruch auf Alg II besteht. Aber: Es gibt Freibeträge, d.h. bis zu einer bestimmten Höhe sind ihre Ersparnisse geschützt. Und einige Dinge zählen beim Vermögen nicht mit und sind anrechnungsfrei.

    Tipp: Bevor Sie den Alg-II-Antrag abgeben, sollten Sie überlegen, wie Sie Ihr Vermögen anlegen. Unter Umständen können Sie Ihre Ersparnisse so organisieren, dass Sie trotzdem Anspruch auf Alg II haben. Dabei sollen die folgenden Informationen helfen.

    Welches Vermögen wird berücksichtigt?

    Beim Alg II wird der Leistungsanspruch für den Arbeitslosen und seine Familie (so genannte Bedarfsgemeinschaften) zusammen geprüft. Konkret wird somit das Vermögen folgender Personen berücksichtigt (= Bedarfsgemeinschaft):

    • Vermögen des Arbeitslosen
    • Vermögen des im Haushalt lebenden Partners (Ehe, Einstandsgemeinschaft, eingetragene Lebenspartnerschaften)
    • Vermögen der im Haushalt lebenden unverheirateten Kinder unter 25 Jahren

    Ist der Antragsteller selbst unter 25 Jahre alt und unverheiratet, dann wird auch das Vermögen der im Haushalt lebenden Eltern berücksichtigt.

    Was zählt zum Vermögen?

    Zum Vermögen zählt im Prinzip alles, was "verwertet" – also zu Geld gemacht – werden kann: z.B. Bargeld, Sparguthaben, Wertpapiere, Aktien, Lebensversicherungen, Grundstücke, Häuser oder Eigentumswohnungen.

    Aber es gibt Ausnahmen. Nicht berücksichtigt werden:

    • angemessener Hausrat (Möbel, Elektrogeräte usw.)
    • ein angemessenes Auto (bis 7500 €), jeweils für jeden Erwerbsfähigen
    • Sparverträge der Riester Rente
    • selbst genutztes, angemessenes Wohneigentum (Eigenheim, Eigentumswohnung)
    • Vermögen bleibt auch außer Betracht, wenn die Verwertung offensichtlich unwirtschaftlichist (Faustregel: Der Verlust beträgt 10% oder mehr) oder eine besondere Härte darstellt, z.B. unter Umständen private Altersvorsorge, die kurz vor der Ausschüttung steht. Dann aber wird Alg II nur als Darlehen gewährt.

    Entscheidend ist also nicht nur die Höhe Ihres Vermögens sondern auch die Art des Vermögens.

    Schonvermögen

    Das zu berücksichtigende Vermögen ist bis zu einer gewissen Höhe geschützt. Nur das über den Freibeträgen liegende Vermögen muss für den Lebensunterhalt verbraucht werden, bevor ein Anspruch auf Alg II besteht.

    Der allgemeine Vermögensfreibetrag beträgt 150 Euro pro vollendetem Lebensjahr, jeweils für den Arbeitslosen und seinen/r Partner/in.

    Der Freibetrag für ein Kind beträgt pauschal 3.100 Euro. Hinzu kommt ein Freibetrag von 750 Euro pro Person in der Bedarfsgemeinschaft. Mit diesem zusätzlichen Freibetrag sollen Ersparnisse für besondere Anschaffungen gebildet werden, etwa für den Kauf einer neuen Waschmaschine.

    Beispiel: Ulrike Schmidt ist 35 Jahre alt und arbeitslos, ihr Ehemann Peter ist 40 Jahre alt, die beiden haben ein siebenjähriges Kind.

    Allgemeiner Freibetrag Arbeitslose:
    35 x 150 Euro = 5.250 Euro
    allgemeiner Freibetrag Partner:
    40 x 150 Euro = 6.000 Euro
    allgemeiner Freibetrag Kind: = 3.100
    Zusätzlicher Freibetrag pro Person
    3 x 750 Euro = 2.250 Euro
    Der Freibetrag für die Familie beträgt insgesamt = 16.600 Euro

    Wenn Ihr Vermögen unter dem Freibetrag liegt, sind Sie (und ihre Angehörigen) leistungsberechtigt und erhalten Alg II. Übersteigt Ihr Vermögen den Freibetrag, dann verweigert Ihnen die Arbeitsagentur das Alg II und verlangt, das Sie zuerst von dem Teil des Vermögens über dem Freibetrag leben.

    Tipp: Notwendige Anschaffungen

    Wenn bei Ihnen absehbar notwendige Ausgaben ins Haus stehen, dann sollten Sie diese aus dem Vermögen tätigen, bevor Sie den Antrag auf Alg II abgeben.

    Beispiel: Unsere Musterfamilie Schmidt hat insgesamt 24.000 Euro gespart – "zuviel", denn damit liegt sie über ihrem Freibetrag von 16.600 Euro. Das kleine Häuschen der Schmidts ist aber dringend renovierungsbedürftig, die Küche stammt noch von Peter Schmidts Eltern und auch das Auto der Schmidts springt schon mal nicht an. Also kauft die Familie einen zuverlässigen, gebrauchten Kleinwagen, renoviert am Haus und leistet sich ein paar neue Küchenmöbel. Alles zusammen kostet die Schmidts 8.000 Euro, ihr Guthaben bei der Bank sinkt auf 16.000 Euro und somit unter den Freibetrag. Die angemessenen Anschaffungen zählen bei der Vermögensprüfung nicht mit und die Familie hat einen Anspruch auf Alg II.

    Tipp: Schulden tilgen

    Bei der Prüfung ihrer Vermögensverhältnisse können im Regelfall Guthaben und Schulden nicht miteinander verrechnet werden (Ausnahme: Hypotheken auf Immobilien). Das heißt, für die Arbeitsagentur sind Sie wohlhabender als Sie tatsächlich sind. Daher ist es oftmals günstig, Schulden vor der Antragstellung zu tilgen, wenn ansonsten das Guthaben den Freibetrag übersteigt.

    Private Altersvorsorge

    Für die private Altersvorsorge gibt es einen besonderen Freibetrag in Höhe von 750 Euro pro vollendetem Lebensjahr jeweils für den Arbeitslosen und seine/n Partner/in. Dieser Freibetrag ist aber an eine hohe Hürde gekoppelt: Den Freibetrag gibt es nur, wenn vertraglich festgelegt ist, dass man bis zum Rentenalter nicht an die Rücklage herankommt.

    Herkömmliche Lebensversicherungen erfüllen diese Bedingung nicht. Sie können – auch wenn sie bis zum Rentenalter abgeschlossen sind – zurückgekauft und aufgelöst werden.

    Tipp: Lebensversicherungen ändern

    Falls Sie eine Lebensversicherung haben, dann sprechen Sie mit Ihrem Versicherer. Drängen Sie darauf, dass Ihre bestehende Versicherungspolice geändert wird und ein "teilweiser Verwertungsausschluss" – das heißt, Sie kommen an das Geld nicht heran – bis zur Höhe von 750 Euro pro vollendetem Lebensjahr vertraglich vereinbart wird. Nur dann steht Ihnen der zusätzliche Freibetrag für die private Altersvorsorge zu. Wichtig: Die vertragliche Vereinbarung muss vor der Antragstellung erfolgen.

    Beispiel: Ulrike und Peter Schmidt haben kleine, bescheidene Lebensversicherungen. Diese sind aktuell 6.000 bzw. 7.000 Euro wert, wenn sie zurückgekauft und aufgelöst würden. Zusammen mit dem Bankguthaben der Familie von 16.000 Euro würde der Vermögensfreibetrag überschritten und die Schmidts keinen müden Euro Alg II bekommen. Bevor die Schmidts ihren Alg-II-Antrag abgeben, verhandeln sie erfolgreich mit ihrer Versicherungsgesellschaft. Per Vertrag wird ausgeschlossen, dass die Lebensversicherungen vor der Rente aufgelöst werden können. Jetzt steht den Schmidts jeweils der zusätzliche Freibetrag für die Altersvorsorge zu und sie haben Anspruch auf Alg II