ALG II-Tipps

    ALG II - Was ist das?

    ALG II - Was ist das?

    Wer bekommt ALG II?

    Das ALG II hat die alte Arbeitslosenhilfe und Sozialhilfe (für "Erwerbsfähige") ersetzt. ALG II können alle Personen erhalten, die

    • "bedürftig" sind, das heißt die ihren Lebensunterhaltnicht aus eigenem Einkommen und Vermögenbestreiten können und
    • mindestens 15 und höchstens 64 Jahre alt sind und
    • die mindestens drei Stunden am Tag arbeiten können.

    Ein Recht auf ALG II haben vor allem Arbeitslose: Wenn kein Anspruch auf das normale Arbeitslosengeld (ALG I) besteht, der Anspruch abgelaufen ist oder das ALG I nicht zum Leben reicht. Aber auch Arbeitnehmer oder Selbständige mitgeringem Einkommen können ergänzend ALG II beziehen.

    Wie ist das ALG II "gestrickt"?

    Anders als beim Arbeitslosengeld I wird das ALG II nicht nach dem letzten Verdienst bemessen. Es gelten pauschale Leistungssätze, so genannte Regelleistungen.

    Das ALG II ist auch keine individuelle Leistung für den Arbeitslosen. Vielmehr wird der Leistungsanspruch für den Arbeitslosen und seiner Familie ("Bedarfsgemeinschaft") zusammen berechnet. Es reicht, wenn ein Mensch in der Bedarfsgemeinschaft die oben genannten Bedingungen erfüllt, damit auch alle anderen Leistungen erhalten.

    Zu einer Bedarfsgemeinschaft gehören der im Haushalt lebende Partner (Ehepartner oder eingetragene, homosexuelle Lebenspartnerschaften oder "Personen, die füreinander einstehen") und unter 25-jährige, unverheiratete Kinder. Die Leistungen für nicht erwerbsfähige Haushaltsangehörige haben einen eigenen Namen und heissen "Sozialgeld".

    Und wie hoch ist das ALG II nun genau?

    Die Regelleistungen hängen davon ab, wie der Haushalt zusammengesetzt ist und wie alt die Personen sind.

    Zu den Regelleistungen kommen die tatsächlichen Kosten für Miete und Heizung hinzu. Aber nur soweit diese angemessen sind. Wie groß eine Wohnung höchstens sein darf und was ein Quadratmeter maximal kosten darf, das wird jeweils vor Ort in den Kommunen festgelegt.

    Wie wird Einkommen angerechnet?

    Der "rechnerische" Leistungsanspruch für Arbeitslose (und ihre Familien) ist nicht der Auszahlbetrag, der tatsächlich überwiesen wird. Denn fast jedes Einkommen im Haushalt wird nahezu vollständig angerechnet, das heißt vom Leistungsanspruch abgezogen. Dadurch vermindert sich derausgezahlte Betrag – im schlechtesten Fall auf Null (Auszahlungsbetrag = Leistungsanspruch minus anrechenbares Einkommen).

    Nahezu voll angerechnet werden etwa Kindergeld, ALG I oder Krankengeld. Bei Einkommen aus Erwerbsarbeit wird oberhalb eines Freibetrags (100 € Grundpauschale plus 20 bzw. 10 Prozent vom Brutto bis 1.200 € bzw. mit Kind 1.500 €) angerechnet. Dies gilt für einen Nebenjob des Arbeitslosen ebenso wie für den Verdienst des Partners.

    Beispiel: Einer anderen Musterfamilie steht eigentlich eine monatliche Unterstützung von 1.323 € zu. Die Familie bezieht aber 184 € Kindergeld. Der Vater ist arbeitslos, die Mutter arbeitet im Einzelhandel und verdient brutto 1.400 €. Von ihrem Netto-Verdienst darf sie nur 320 € anrechnungsfrei behalten, 692 € werden angerechnet. Unterm Strich bekommt die Familie nur 447 € an ALG II und Sozialgeld ausgezahlt.

    (1.323 € [Anspruch] minus 184 € [Kindergeld] minus 692 € [Verdienst Mutter] = 447 € [Auszahlbetrag])

    Und was ist mit Ersparnissen?

    Vermögen oberhalb eines Freibetrags muss zunächst fürden Lebensunterhalt verbraucht werden, bevor ein Anspruch auf ALG II besteht. Der Freibetrag liegt bei 150 € pro Lebensjahr und maximal 9.750 € – jeweils für den Arbeitslosen und den Partner – plus 3.100 € für jedes minderjährige Kind + 750 € pro Person in der Bedarfsgemeinschaft fürAnschaffungen.

    Tipp: Arbeitslose sollten bevor sie ins ALG II rutschen gutüberlegen, wie sie ihr Vermögen anlegen. Für die private Altersvorsorge, die bis zur Rente vertraglich nicht genutztwerden kann, gibt es z.B. einen zweiten Freibetrag von 750 € pro Lebensjahr. Auch zählen bestimmte Dinge wie etwa ein angemessener Pkw nicht zum Vermögen. Oft ist es auch günstig, vor der Antragstellung Schulden zu tilgen oder sowieso notwendige Anschaffungen aus dem Vermögen zu finanzieren.