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    Arbeitslosigkeit

    Arbeitslosigkeit

    Liebe Kollegin, lieber Kollege! Der Verlust des Arbeitsplatzes ist ein heftiger Schock, der erst mal verkraftet werden will. Dabei ist gerade dann, wenn Arbeitslosigkeit bevorsteht, ein kühler Kopf nötig – um Nachteile und unangenehme Überraschungen zu vermeiden. Denn bereits lange bevor die Arbeitslosigkeit offiziell beginnt, müssen Arbeitslos-Werdende selbst aktiv werden und einige Hürden meistern.

    Diese Seite informiert Dich über die ersten Schritte durch den Behördendschungel: Was musst Du beachten, damit Du ohne Abstriche und Einbußen das "reguläre" Arbeitslosengeld I bekommst?  Einen genaueren Überblick gibt die hier zum Download eingestellte Broschüre.

    Ganz wichtig

    Du musst dich zweimal bei der Arbeitsagentur (dem früheren Arbeitsamt) melden, erst "arbeitssuchend" und dann "arbeitslos".
    Wir wollen mit dieser Seite helfen, dass Arbeitslose ihre Rechte und Pflichten gut kennen, Fallstricke vermeiden und die ihnen zustehenden Leistungen auch erhalten.

    Arbeitslosengeld I (ALG I) auf einen Blick

    • Für wen? Arbeitslose, die innerhalb der letzten zwei Jahre mindestens 12 Monate (muss nicht am Stück sein) versicherungspflichtig beschäftigt waren.
    • Wie viel? "Pi mal Daumen" 60% (mit Kind: 67%) vom letzten Nettoverdienst.
    • Wie lange? Höchstens 12 Monate. Für Ältere ab 55 Jahren bis zu 18 Monate.
    • Wenn kein Anspruch auf das ALG I (mehr) besteht oder das ALG I nicht zum Leben reicht, dann kann ein Anspruch auf ALG II bestehen.

    Nach Erhalt der Kündigung

    Ist die Kündigung rechtens?

    Wenn Dir gekündigt wurde, dann lasse als erstes vom Betriebs-, Personalrat, der Mitarbeitervertretung (BR/PR/MAV) oder Deiner Gewerkschaft prüfen, ob die Kündigung rechtmäßig ist: Hat der Arbeitgeber den Kündigungsschutz beachtet? Wurden BR/PR/MAV ordnungsgemäß angehört? Ist eine Kündigungsschutzklage sinnvoll? Eine Kündigungsschutzklage muss innerhalb von drei Wochen eingereicht werden, nach dem Du die schriftliche Kündigung erhalten hast (Poststempel).

    Die frühzeitige Arbeitssuchmeldung

    Du musst Dich frühzeitig bei der Arbeitsagentur (kurz AA) persönlich arbeitsuchend melden (Personalausweis mitnehmen): spätestens 3 Monate bevor Dein Arbeitsverhältnis endet. Eine frühere Meldung ist möglich. Wer diese Frist versäumt, der bekommt (später) eine Sperrzeit. Das heißt, die AA zahlt eine Woche lang kein Arbeitslosengeld (ALG). Die Pflicht zur frühzeitigen Vorsprache bei der AA gilt sowohl nach einer Kündigung als auch wenn eine befristete Beschäftigung ausläuft. Selbst wenn Du gegen die Kündigung klagst oder der Arbeitgeber in Aussicht stellt, eine befristete Stelle zu verlängern, muss die Meldung trotzdem erfolgen.

    Für Auszubildende gilt die Pflicht nur bei einer überbetrieblichen Ausbildung. Wenn die 3-Monats-Frist gar nicht eingehalten werden kann, dann musst Du Dich sogar innerhalb von drei Tagen (nachdem Du vom Ende der Beschäftigung erfahren hast) melden: Etwa wenn Dein Arbeitgeber Dir mit einer Frist von vier Wochen kündigt. Wer eine Stelle antritt, die auf weniger als drei Monate befristet ist, muss sich ebenfalls innerhalb von drei Tagen melden – also fast zeitgleich mit der Aufnahme der Arbeit. Es ist rechtlich umstritten, ob mit "drei Tagen" Werktage oder Kalendertage gemeint sind. Am besten also umgehend zur AA gehen.

    Krank am Beschäftigungsende?

    Heftige Nachteile haben Arbeitnehmer(innen), die nach dem Ende ihrer Beschäftigung und vor der der eigentlichen Arbeitslosmeldung krank werden. So besteht in diesem Fall z.B. ein Anspruch auf Krankengeld und auf eine eventuell notwendige Behandlung im Krankenhaus höchstens für einen Monat.

    Wenn Du also zum Ende Deiner Beschäftigungszeit krank wirst, dann solltest Du Dich nicht krank zur Arbeit schleppen (weil man die Kollegen ja nicht hängen lassen will und einen "ordentlichen Abgang" haben will) und denken, die paar Tage überstehe ich schon noch. Vielmehr solltest Du Dich bei Krankheit auch tatsächlich arbeitsunfähig schreiben lassen. Dann zahlt der Arbeitgeber Deinen Lohn bis zum Beschäftigungsende und anschließend besteht ein regulärer Anspruch auf Krankengeld.

    Das hat mehrere Vorteile: Das Krankengeld ist höher als das Arbeitslosengeld und es schmälert nicht die Bezugsdauer des Arbeitslosengeldes.

    Falls Du an dem Tag krank wirst, an dem Du Dich eigentlich arbeitslos melden wolltest, dann solltest Du – wenn irgend möglich – trotzdem erst zur Arbeitsagentur und erst danach zum Arzt gehen. So kannst Du zumindest die eingangs beschriebenen Nachteile vermeiden.

    Die richtige Arbeitslosmeldung

    Persönlich arbeitslos melden

    Arbeitslosengeld bekommst Du erst ab dem Tag, an dem Du tatsächlich arbeitslos bist und – ganz wichtig – nach dem Du Dich zusätzlich zur Arbeitsuchmeldung noch einmal persönlich arbeitslos gemeldet hast (Personalausweis mitnehmen). Um kein Geld zu verschenken, musst Du Dich also spätestens am ersten Tag, an dem Du arbeitslos bist, auch arbeitslos melden.

    Empfehlenswert ist aber, sich deutlich früher arbeitslos zu melden, damit der Antrag rechtzeitig bearbeitet werden kann und Du zügig Dein Geld bekommst. Die Arbeitslosmeldung ist frühestens drei Monate vor dem Beginn der Arbeitslosigkeit möglich.

    Du kannst die Arbeitsuchmeldung und die Arbeitslosmeldung in einem Aufwasch erledigen, wenn der Zeitraum zwischen dem Tag, an dem Du vom Ende Deines Arbeitsverhältnisses erfährst und dem tatsächlichen Ende des Arbeitsverhältnisses kürzer als drei Monate ist – also wenn für Dich die oben genannte 3-Tage-Frist für die Arbeitssuchmeldung gilt.

    Formulare, Formulare

    Bei der Arbeitslosmeldung bekommst Du einen "Anmeldebogen". Darin wird u.a. nach den beruflichen Tätigkeiten in den letzten drei Jahren gefragt. Du solltest also die Namen Deiner Arbeitgeber und die Beschäftigungszeiten der letzten drei Jahre parat haben. Neben dem Antrag auf Arbeitslosengeld bekommst Du noch weitere Vordrucke, u.a. eine Arbeitsbescheinigung, die Dein Arbeitgeber ausfüllen muss und einen Fragebogen zum Verlust der Arbeit, den Du selbst ausfüllen musst.

    Vorsicht "Sperrzeit"

    Arbeitnehmer, die ihre Arbeitslosigkeit selbst verschuldet haben, bekommen eine Sperrzeit. Das heißt, es gibt bis zu 12 Wochen (!) kein ALG und die Anspruchsdauer verkürzt sich zusätzlich auch noch. Deshalb sind die Angaben im Fragebogen zum Verlust der Arbeit äußerst wichtig. Durch die Art der Antworten kann eine Sperrzeit ausgelöst oder eben auch vermieden werden. Deshalb solltest Du den Fragebogen in Ruhe zu Hause ausfüllen und Dich gegebenenfalls von Deiner Gewerkschaft oder einer Beratungsstelle beraten lassen.

    Arbeitgeberbescheinigung

    Darin nennt der Arbeitgeber die Gründe, warum die Beschäftigung endet. Du solltest mit Deinem Arbeitgeber vereinbaren, dass er die Bescheinigung nicht direkt an die AA sondern an Dich schickt. Damit Du die Gründe für das Beschäftigungsende prüfen kannst und – falls Du nicht einverstanden bist – auf eine Änderung drängen kannst.

    Überprüft werden sollten auch die Angaben zu Deinem Bruttolohn bzw. -gehalt. Denn danach berechnet die AA Dein ALG. Achte darauf, dass Weihnachts- oder Urlaubsgeld, vermögenswirksame Leistungen oder Sachbezüge nicht „vergessen“ werden.

    Tipps zum Schluss

    • Vorsicht vor Aufhebungsverträgen sowie Abfindungen, bei denen die Kündigungsfristen nicht eingehalten werden. Hier drohen Kürzungen.
    • Resturlaub vor dem ersten Tag der Arbeitslosigkeit nehmen. Denn für Zeiten mit ausstehendem Urlaubsanspruch gibt es kein ALG I.
    • Wohngeld beantragen! Oftmals besteht ein Anspruch bei niedrigem ALG I, großer Familie und nur gering oder gar nicht verdienenden Angehörigen.
    • Gewerkschaftsmitglied bleiben (oder werden)! Arbeitslose zahlen deutlich ermäßigte Mitgliedsbeiträge. Der gewerkschaftliche Rechtsschutz gilt auch in Streitfällen mit der AA.

    Allein machen sie Dich ein. Komm zum Erwerbslosenrat!