Rechtstipps A-Z

    Vorstellungsgespräch

    Vorstellungsgespräch

    Bereits beim Vorstellungsgespräch gibt es die folgenden Rechte und Pflichten des Arbeitgebers und des künftigen Arbeitnehmers/der künftigen Arbeitnehmerin:

    Der Arbeitgeber muss informieren

    • über die besonderen gesundheitlichen Belastungen des angebotenen Jobs,
    • über überdurchschnittliche Anforderungen,
    • über beabsichtigte organisatorische Änderungen, die zur Gefährdung des Arbeitsplatzes führen,
    • darüber, dass zukünftige Löhne und Gehälter gefährdet wären.

    Außerdem muss der Arbeitgeber

    • Bewerbungsunterlagen sorgfältig und sicher aufbewahren und sie, falls kein Arbeitsvertrag abgeschlossen wird, sofort zurückgeben und grundsätzlich den Personalfragebogen vernichten,
    • über alle Informationen aus dem Vorstellungsgespräch schweigen.
    • Der Arbeitgeber ist verpflichtet, Vorstellungskosten für Fahrt, Übernachtung oder Verpflegung  zu ersetzen, wenn er den Bewerber zur Vorstellung aufgefordert und den Ersatz dieser Aufwendungen nicht ausdrücklich im Anschreiben zum Vorstellungsgespräch ausgeschlossen hat. Dies gilt unabhängig davon, ob ein Arbeitsvertrag abgeschlossen wird oder nicht.

    Zulässige Fragen beim Vorstellungsgespräch:

    Der Arbeitgeber darf während des Vorstellungsgesprächs Fragen stellen nach:

    • Wohnort des Bewerbers,
    • beruflichen und fachlichen Kenntnissen, dem beruflichen Werdegang und Zeugnisnoten,
    • vorhergehenden Arbeitgebern, der Beschäftigungsdauer, sowie bestehenden Wettbewerbsverboten,
    • Ausübung einer Konkurrenztätigkeit zum Zeitpunkt der Einstellung,
    • dem Gesundheitszustand, sofern ein berechtigtes Interesse besteht (z. B. dauerhafte oder akute Krankheiten, so weit sie für den Arbeitsplatz von Bedeutung sind),
    • einer aktuellen Lohn- oder Gehaltspfändung,
    • Vorstrafen, sofern sie für die künftige Tätigkeit bedeutsam sind (z. B. bei einem Kassierer wegen Eigentums- und Vermögensdelikten),
    • bevorstehendem Antritt einer Haftstrafe,
    • einer Schwerbehinderung , falls der Grad der Behinderung mindestens 50% beträgt
    • Aufenthalts- und Arbeitserlaubnis bei ausländischen Bewerbern.

    Unzulässige Fragen beim Vorstellungsgespräch:

    Der Arbeitgeber darf während des Vorstellungsgesprächs keine Fragen stellen nach:

    • Bestand einer Ehe, Partnerschaft oder einer Eheschließung in absehbarer Zeit (Ausnahme Tendenzbetrieb: hier besteht die arbeitsvertragliche Aufgabe, die Politik des Tendenzbetriebes intern mit zu entwickeln, zu begründen und nach außen zu vertreten)
    • einer Gewerkschafts-, Partei- oder Religionszugehörigkeit . Die Lohnsteuerkarte, aus der die Religionszugehörigkeit hervorgeht, braucht erst nach Abschluss des Vertrages vorgelegt zu werden. Die Einstellung eines Arbeitnehmers/einer Arbeitnehmerin darf nicht von seinem Austritt aus einer Gewerkschaft abhängig gemacht werden,
    • sexual-medizinischen Bereichen,
    • den Vermögensverhältnissen (Ausnahme: bei Lohn- und Gehaltspfändungen oder Schulden, wenn der zukünftige Arbeitsplatz mit einer besonderen Vertrauensstellung verbunden ist, z. Bsp. Kassierer, Filialleiter).

    Pflichten des Bewerbers/der Bewerberin

    Der Bewerber/die Bewerberin muss folgende Fragen während des Vorstellungsgesprächs beantworten:

    • berechtigte und begründete Fragen sind wahrheitsgemäß zu beantworten,
    • es ist mitzuteilen, welche Bedingungen des Arbeitsvertrages er/sie nicht erfüllen kann.

    Rechte des Bewerbers/der Bewerberin

    Der Bewerber/die Bewerberin muss muß folgende Fragen während des Vorstellungsgesprächs nicht beantworten:

    • braucht nicht auf eine Behinderung (anders Schwerbehinderung, mit einem Grad der Behinderung von mind. 50%) hinzuweisen, solange er/sie die Anforderungen an den Arbeitsplatz erfüllen kann,
    • muss die Frage nach der bisherigen Vergütung nicht beantworten,
    • muss nicht auf bestehende Vorstrafen hinweisen.