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    Minijob

    Minijob

    Neuregelungen zu Mini‐ und Midijobs

    Mit der Anhebung der Geringfügigkeitsgrenze auf 450 € (und entsprechender Anhebung der Gleitzonengrenze auf 850 €) werden geringfügige Beschäftigungsverhältnisse weiter ausgeweitet. Prekäre und damit sozial nicht abgesicherte Beschäftigung wird damit noch attraktiver – insbesondere für die Arbeitgeber.

    Folgende Regelungen werden geändert:

    • Die bisherige Versicherungsfreiheit in der gesetzlichen Rentenversicherung wird zum 1. 1. 2013 in eine Rentenversicherungspflicht mit Befreiungsmöglichkeit umgewandelt (Wechsel von Opt‐in zu Opt‐out). Oben  der Antrag an die Knappschaft dazu. Beim Arbeitgeber abzugeben.
    • Die Arbeitsentgeltgrenze bei geringfügiger Beschäftigung wird zum 1.1.2013 von 400 € auf 450 € angehoben.
    • Für Beschäftigungsverhältnisse, die bereits vor dem 1. 1. 2013 bestanden haben, gibt es Über‐gangs‐ und Vertrauensschutzregelungen.
    • Entsprechend wird die Grenze für das monatliche Gleitzonenentgelt von 800 € auf 850 € angepasst.

    Minijobs

    Eine geringfügige Beschäftigung, auch Minijob genannt, ist der 'kleinste' Job, der auf dem Arbeitsmarkt zu finden ist. Arbeitsrechtlich ist er eine Teilzeitbeschäftigung, da im Arbeitsrecht nur zwischen Teilzeit- und Vollzeitjobs unterschieden wird. Sozialrechtlich gesehen sind Minijobs allerdings eine Besonderheit, da sie für die Beschäftigten in fast allen Zweigen der Sozialversicherung abgabefrei sind. Nur an die Rentenversicherung werden Beiträge abgeführt, wovon man sich aber befreien lassen kann. Den Antrag dazu gibt es oben auf dieser Seite. 

    Problematisch ist insbesondere die wachsende Zahl dieser Beschäftigungsverhältnisse. Ihr Boom ist seit der Neuregelung im Jahr 2003 ungebrochen und inzwischen werden ganze Wirtschaftsbranchen von diesen Beschäftigungsverhältnissen dominiert, was dem Anliegen, sie als Instrument zur Bewältigung von Spitzenzeiten und schwankendem Bedarf an Arbeitskräften und vor allem als Brücke in eine reguläre Beschäftigung zu etablieren, klar widerspricht. Der Boom der Minijobs hat erheblich zu einem Abbau von regulärer Voll- und Teilzeitbeschäftigung beigetragen.

    Was ist ein Minijob: woran erkenne ich ihn undwo werden sie angeboten?

    Eine geringfügige Beschäftigung, auch Minijob genannt, ist der kleinste' Job, der auf dem Arbeitsmarkt zu finden ist. Arbeitsrechtlich ist er eine Teilzeitbeschäftigung.

    Zwei Merkmale sind für Minijobs bestimmend:

    • die Entgeltgrenze: Der Verdienst darf 450 Euro im Monat nicht übersteigen. Dann ist die Beschäftigung geringfügig entlohnt (nach § 8 SGB IV). RentnerInnen dürfen, wenn sie Altersrente beziehen und das 65. Lebensjahr noch nicht vollendet haben oder wenn sie Erwerbsminderungsrente erhalten, bis zu 350 € im Monat hinzuverdienen. RentnerInnen über 65 Jahre können unbegrenzt zu ihrer Rente dazuverdienen.
    • die Zeitgrenze (seltene Form): Hier gibt es zwei Möglichkeiten einer Zeitbegrenzung. Dauert Ihre Beschäftigung nicht länger als 2 Monate - wenn an 5 Tagen die Woche gearbeitet wird - oder nicht länger als 50 einzelne Tage im Jahr, wenn Sie zum Beispiel immer montags und donnerstags arbeiten, dann ist das eine sogenannte kurzfristige Beschäftigung, die in diesem Rahmen für beide Seiten - für Sie und den Arbeitgeber - versicherungsfrei ist. Bezugspunkt ist immer das Kalenderjahr. Übersteigt Ihr Jobs diese Zeitbegrenzung, ist er nicht mehr von der Zeit her, aber bei einem Verdienst von bis zu 450 € vom Verdienst her geringfügig. Das bedeutet Versicherungsfreiheit für Sie als ArbeitnehmerIn - außer in der Rentenversicherung, ihr Arbeitgeber zahlt 30,1% an Sozialbeiträgen und Steuern.
    • Eine Begrenzung der Arbeitszeit pro Woche für einen Minijob bis 450 Euro gibt es nicht mehr.

    Grundsätzlich gibt es Minijobs in allen Wirtschaftsbranchen und in Privathaushalten. In einigen Branchen sind sie eher selten zu finden. Stark vertreten sind sie vor allem im Einzelhandel, in der Gastronomie, bei Zeitungsverlagen, in der Gebäudereinigung und im Gesundheitswesen sowie bei sonstigen Dienstleistungen. Auch in Privathaushalten werden Minijobs angeboten. Dazu zählen Reinigung, Einkauf, Zubereitung von Mahlzeiten, Gartenarbeit oder die Pflege, Versorgung und Betreuung von Personen. Vor allem in diesem Bereich haben Minijobs in den letzten Jahren enorm zugenommen.

    Was muss ich bei einem Minijobbeachten?

    Im Gegensatz zu regulären Jobs, bei denen sich Arbeitgeber und ArbeitnehmerInnen die Sozialabgaben für die Renten-, Arbeitslosen- sowie Kranken- und Pflegeversicherung teilen, sind geringfügige Beschäftigungen für Sie als Beschäftigte grundsätzlich abgabefrei. Die Belastung des Arbeitgebers für Sozialabgaben und Steuern beträgt insgesamt höchstens 30,1% des Arbeitsentgelts.

    Welche Vor- und Nachteile hat ein MiniJob für mich?

    Eine geringfügige Beschäftigung kann in einer bestimmten Lebensphase wie dem Studium oder der Rente dazu dienen, das verfügbare Haushaltsgeld aufzubessern. Auch für kurzfristige Aufgaben oder saisonbedingte Spitzen kann es Sinn machen, einen Minijobs anzunehmen. Von Vorteil ist dabei, dass Gewerkschaften zusammen mit anderen Interessenvertretungen dafür eingetreten sind, diese Minijobs arbeitsrechtlich den regulären Voll- und Teilzeitbeschäftigungen gleichzustellen. Das heißt, Sie haben als Beschäftigte Anspruch auf Urlaub, Mutterschutz, Elternzeit und Lohnfortzahlung im Krankheitsfall.

    Minijobs bieten keine Perspektive auf Qualifizierung und Aufstieg in Ihrem Beruf bzw. in Ihrem Betrieb. Durch den Wegfall der Stundenbegrenzung, die es bis 2003 gab, sind die Löhne bei Minijobs extrem niedrig. Denken sie daran, dass auch für Sie als geringfügig Beschäftigte Tarifverträge gelten bzw. gleiches Recht auf Bezahlung haben, wie ihre voll- oder teilzeitbeschäftigten KollegInnen.

    für Sie als Beschäftigte ist vor allem die Tatsache, dass Sie über den Minijob keine bzw. nur eingeschränkte Ansprüche in der gesetzlichen Sozialversicherung erwerben, problematisch. Insbesondere, wenn Sie zu den knapp 5 Mio. abhängig Beschäftigten gehören, die neben dem Minijob keine weitere Beschäftigung haben.

    Die Pauschalbeiträge, die für Sie durch Ihren Arbeitgeber an die Rentenversicherung gezahlt werden, wirken sich zwar grundsätzlich rentensteigernd aus, da sie auf die Wartezeit angerechnet werden. Das sind Mindestversicherungszeiten, die Sie erfüllen müssen, um überhaupt eine Rente zu bekommen. Dies aber nur in einem sehr geringen Umfang, da sie im Verhältnis 1:4 berechnet werden. Für vier Monate im Minijob erwerben Sie einen Monat Wartezeit.

    Und es gibt auch einen Zuschlag zu den sogenannten Entgeltpunkten. Die pauschalen Beiträge zur Kranken- und Rentenversicherung sind keine Pflichtbeiträge und begründen damit keine Ansprüche auf Reha-Maßnahmen wie Kuren oder Erwerbsunfähigkeitsrenten. Dazu folgende Übersicht: 

    Ansprüche an die Sozialversicherung:

    aus einem einzelnen MiniJob:

    Rentenversicherung:

    geringe Ansprüche in Bezug auf Wartezeiten und Guthaben und keine Ansprüche auf Reha-Leistungen oder Renten aufgrund von Erwerbsunfähigkeit. Nur bei individueller Pflicht-Aufstockung entstehen volle Ansprüche, die jedoch finanziell marginal sind!

    Krankenversicherung:

     

    keine,… da es keine Pflichtbeiträge sind und keine eigene Mitgliedschaft begründet wird

    Arbeitslosenversicherung:

    keine… zu einer Hauptbeschäftigung werden MiniJobs in der Arbeitslosenversicherung nicht hinzugezählt, auch nicht mehrere

    Pflegeversicherung:

    keine,… da keine Mitgliedschaft in der Krankenversicherung besteht

    Unfallversicherung:

    volle Ansprüche,… denn Arbeitgeber müssen die MiniJobs versichern

    Was passiert, wenn ich mehr als einen Minijob habe?

    Minijobs mit Einkommen unter 400 Euro werden grundsätzlich zusammengerechnet. Sie müssen in jedem Fall Ihren Arbeitgeber darüber informieren, dass Sie mehr als einen Minijobs haben oder einen weiteren aufnehmen. Wird mit allen Minijobs zusammen die Verdienstgrenze von 400 Euro nicht überschritten, dann bleiben diese abgabefrei für Sie. Wird sie überschritten, werden alle Ihre Minijobs sozialversicherungspflichtig so wie reguläre Jobs.

    Auch auf die erwähnten kurzfristigen Minijobs werden alle Beschäftigungen zusammengezählt. Werden die 50 Tage oder 2 Monate überschritten, werden Sozialversicherungsbeiträge fällig, allerdings erst ab den Tag der Überschreitung. Bei jeder neuen kurzfristigen Beschäftigung wird das geprüft. Ist von vornherein schon erkennbar, dass es mehrere Folgebeschäftigungen gibt, sind alle diese Beschäftigungsverhältnisse sozialversicherungspflichtig.

    Minijobs aus Entgeltgeringfügigkeit und solche aus Zeitgeringfügigkeit werden nicht zusammengerechnet. Mit anderen Worten können Sie einen Minijobs, der auf einen Verdienst von bis zu 450 Euro monatlich begrenzt ist und einen, bei dem Sie eine Arbeitszeit von 2 Monaten oder 50 Tagen nicht überschreiten, miteinander kombinieren.

    Üben Sie neben einer sozialversicherungspflichtigen Hauptbeschäftigung einen Minijobs quasi als Nebenverdienst aus, bleibt der erste Minijobs für Sie als Beschäftigte abgabenfrei. Alle weiteren Minijobs werden zu Ihrer Hauptbeschäftigung dazugerechnet. Dann müssen Sie und Ihr Arbeitgeber regulär Sozialabgaben zahlen, allerdings nicht in der Arbeitslosenversicherung. Dort erfolgt keine Zusammenrechnung mit einem Hauptbeschäftigungsverhältnis.

    Was sind Minijobs im Privathaushalt?

    Minijobs in Privathaushalten sind geringfügige Arbeitsverhältnisse, die in privaten Haushalten angeboten werden. Dabei geht es um haushaltsnahe Dienstleistungen. (nach § 8a SGB IV)

    Das Gesetz regelt genau, was darunter zu verstehen ist:

    • die Reinigung der Wohnung
    • die Zubereitung von Mahlzeiten
    • Gartenpflege
    • Betreuung, Pflege und Versorgung von Kindern, Kranken, älteren Menschen und anderen pflegebedürftigen Personen.

    Die Sozialabgaben, die der Arbeitgeber für Sie zahlt, betragen insgesamt 13,7% und liegen damit deutlich unter denen, die für Minijobs in der Wirtschaft entrichtet werden müssen. Dabei entfallen auf:

    • die Rentenversicherung 5%
    • die Krankenversicherung 5%
    • die pauschale Lohnsteuer 2%
    • die pauschale Unfallversicherung 1,6%
    • die Umlage für Lohnfortzahlungsversicherung im Falle von Krankheit/ Kur 0,1%

    Seit dem 01.01.2006 übernimmt die Knappschaft Bahn See, die die Minijobzentrale und damit die zentrale Meldestelle für alle Minijobs trägt, die Anmeldung zur gesetzlichen Unfallversicherung.

    Im Unterschied zu gewerblichen Minijobs gehört die für Sie als Beschäftigte im privaten Haushalt gezahlte Lohnsteuer - in der Regel pauschal 2% - zum Arbeitsentgelt dazu. Damit dürfen gezahlter Lohn und abgeführte Steuern insgesamt 450 Euro nicht überschreiten.

    Ihr Arbeitgeber kann bis zu 10% seiner Aufwendungen, höchstens jedoch 510 Euro jährlich, steuerlich geltend machen. Dies und ein weitere Vereinfachungen in der Abrechnung sollen dazu beitragen, dass private Haushalte ihre Beschäftigungsverhältnisse anmelden und nicht schwarz' abrechnen.

     Was ist ein Haushaltsscheck?

    Ein Haushaltsscheck ist das Anmeldeformular, mit dem Ihr Arbeitgeber - also der Privathaushalt - Ihren Minijobs abrechnet. Damit werden alle Melde- und Zahlungsverpflichtungen gegenüber der Minijobzentrale erledigt und beispielsweise eine Einzugsermächtigung für alle anfallenden Sozialabgaben erteilt. Auch Änderungen, zum Beispiel in Bezug auf Ihr Arbeitsentgelt, werden darüber gemeldet. Der Scheck muss von Ihnen und Ihrem Arbeitgeber unterschrieben werden. Verändert sich nichts, wird der Scheck als Dauerscheck' ausgestellt und muss dann nur zweimal im Jahr ausgefüllt werden.

     Was ist die sogenannte Gleitzone?

    Die Gleitzone ist ein neuer Begriff für Beschäftigungsverhältnisse mit einem Verdienst zwischen 450 und 850 Euro (§ 20 Abs. 2 SGB IV). Damit schließt die Gleitzone unmittelbar an die Verdienstgrenze der Minijobs in Höhe von 450€ an. Durch ihre Einführung soll verhindert werden, dass sofort nach Überschreiten der 450€-Grenze volle Sozialversicherungsbeiträge fällig werden.

    Diesen Zwischenbereich zwischen Minijobs und voller Beschäftigung, also Maxi-Job, nennt man auch Midi-Job. Einziges Erkennungsmerkmal ist die Verdienstspanne von 450 Euro bis 850 Euro. Die Dauer des Beschäftigungsverhältnisses und die Anzahl der Arbeitsstunden pro Tag bzw. Woche spielen dabei keine Rolle.

    Ab einem Verdienst von 450,01€ sind auch Sie als Beschäftigte sozialversicherungspflichtig.

    Der entscheidende Unterschied zu einem Teilzeitarbeitsverhältnis liegt darin, dass bei einem Midijob Ihre Beiträge zur Sozialversicherung besonders berechnet werden. Die Berechnung erfolgt stufenweise, so dass Sie mit steigendem Einkommen die prozentuale Höhe Ihrer Beiträge steigt. So zahlen Sie bei einem Einkommen von 400,01 Euro nur 4%, bei einem Verdienst von 800 Euro bereist 21% Sozialversicherungsbeiträge. Ihr Arbeitgeber zahlt die üblichen vollen Beiträge.

    Da die Berechnung, insbesondere für mehrere Beschäftigungsverhältnisse nebeneinander, recht kompliziert ist, ist es ratsam, sich über konkrete Beispiele und Modellrechnungen - beispielsweise in den empfohlenen Broschüren - zu informieren.

    Beachte: Die Gleitzone gilt NICHT für Auszubildende!

    Was muss ich beim Thema Steuern wissen?

    Alle Verdienste aus geringfügiger oder kurzfristiger Beschäftigung und auch aus Einkünften in der Gleitzone sind grundsätzlich steuerpflichtig.

    Das bedeutet nicht, dass Sie diese an das Finanzamt zahlen. Dafür ist der Arbeitgeber zuständig.

    Ihr Arbeitgeber hat die Möglichkeit, dies über eine pauschale Lohnsteuer in Höhe von 2% abzugelten. In dem Fall brauchen Sie keine Lohnsteuerkarte abzugeben. Das Bundesarbeitsgericht hat allerdings entschieden, dass bei einer vereinbarten Bruttovergütung Sie als ArbeitnehmerIn die Pflicht haben, diese pauschale Lohnsteuer von 2% selbst zu tragen. Mit anderen Worten ist eine Umlage auf Ihren Verdienst von Seiten Ihres Arbeitgebers möglich. Nur wenn hinreichend deutlich eine Nettovergütung vereinbart wurde, ist Ihr Arbeitgeber in der Pflicht, diese pauschale Steuer zu zahlen.

    Sie haben das Recht, eine individuelle Versteuerung zu verlangen. In diesem Fall geben Sie eine Lohnsteuerkarte ab und die abgeführten Steuern werden dort vermerkt. Die Höhe der Steuern hängt von Ihrer persönlichen Lohnsteuerklasse ab.

    Befinden Sie sich in den Steuerklassen I, II oder III und haben keine weiteren Einkünfte, dann fallen keine Steuern an, wenn Sie den Steuerfreibetrag in Höhe von 7.664 Euro für Alleinstehende oder 15.328Euro für Verheiratete (für 2005) nicht überschreiten. Sie zahlen also keine Steuern und der Arbeitgeber muss diese für Sie auch nicht abführen. Die Ersparnis liegt allerdings auf Seiten des Arbeitgebers. Die Lohnsteuerklassen V und VI sind finanziell ungünstige Klassen, da Sie hohe Steuern zahlen und darum ein geringeres Nettoeinkommen haben.

    für Minijobs als Nebenbeschäftigung wird grundsätzlich die Steuerklasse VI vermerkt. Das gilt auch bei zwei parallelen Minijobs und gleichzeitiger individueller Versteuerung. Die Besteuerung der Einkünfte aus der Gleitzone hängt ebenfalls von Ihrer Lohnsteuerklasse ab und bezieht sich auf die gesamte Summe ihrer positiven, steuerpflichtigen Einkünfte, wozu neben Verdiensten beispielsweise auch Einkünfte aus Vermietung oder Verpachtung gehören. Die Steuern werden ganz normal vom Arbeitgeber einbehalten und an das zuständige Finanzamt abgeführt.

    Habe ich Anspruch auf Urlaub, Elternzeit oder Kündigungsschutz?

    Zum Arbeitsrecht gehören alle gesetzlichen Regelungen, die das Verhältnis zwischen Ihnen und Ihrem Arbeitgeber regeln. Hier kann nur auf ausgewählte Punkte eingegangen werden.

    Grundsätzlich gilt: Arbeitsrecht und damit alle Regelungen in Bezug auf Urlaub, Mutterschutz, Altersteilzeit oder betriebliche Interessenvertretung und Tarifverträge gelten auch für geringfügig Beschäftigte! Ein Minijob (aufgrund von Entgeltgeringfügigkeit, siehe Punkt 1) und Midijobs sind arbeitsrechtlich Teilzeitarbeitsverhältnisse und damit rechtlich einem Vollzeitarbeitsverhältnis gleichgestellt. Nach dem Teilzeit- und Befristungsgesetzt dürfen Teilzeitbeschäftigte aufgrund ihrer verkürzten Arbeitszeit nicht benachteiligt werden! Ein kurzfristiger Minijob (also ein Minijob wegen Zeitgeringfügigkeit) ist eine befristete Beschäftigung.

    Das heißt: Ja, Sie haben damit Anspruch auf Urlaub nach dem Bundesurlaubsgesetz, auf Lohnfortzahlung im Krankheitsfall, auf bezahlte Feiertage, auf anteilige Zahlungen von betrieblichen Sonderleitungen wie Weihnachts- oder Urlaubsgeld, auf Mutterschutz und Elternzeit und Elterngeld.

    Was habe ich noch für Rechte?

    Auch für Sie gelten Kündigungsschutz, Tarifverträge und das Recht, betriebliche Interessenvertretungen zu wählen. In Tarifverträgen werden die Arbeitsbedingungen für Beschäftigte einer bestimmten Branche in einem bestimmten Geltungsbereich geregelt. Dieser gilt für Sie, wenn:

    • Sie als Beschäftigte Mitglied der Gewerkschaft sind, die den Tarifvertrag abgeschlossen hat und
    • Auch Ihr Arbeitgeben tarifgebunden ist, mit anderen Worten Mitglied des Arbeitgeberverbandes ist, der als zweite Vertragspartei den Tarifvertrag unterschrieben hat.

    Gelten in Ihrem Betrieb Tarifverträge oder Betriebsvereinbarungen für andere Beschäftigte, dann gelten diese auch für Sie als MinijoberIn, wenn nicht ausdrücklich was anderes bestimmt ist.

    Das Kündigungsschutzgesetz schütz Sie vor sozial ungerechtfertigten Kündigungen, wenn Sie mehr als 6 Monate zum Betrieb gehören. Für alle Arbeitsverhältnisse, die nach dem 31.12.2003 aufgenommen wurden, gilt: Das Gesetz gilt für Sie, wenn in Ihrem Betrieb 10 Vollzeitbeschäftigte tätig sind. Teilzeitbeschäftigte werden nach einem bestimmten Schlüssel berücksichtigt. Seit 1993 gilt eine einheitliche Kündigungsfrist von 4 Wochen zum 15. eines Monats oder zum Monatsende. Diese Fristen verlängern sich mit zunehmender Betriebszugehörigkeit. Bei einer fristlosen Kündigung sollten Sie in jedem Fall fachlichen Rat einholen, bei Ihrem Betriebs- bzw. Personalrat oder bei Ihrer Gewerkschaft.

    Welche Pflichten hat mein Arbeitgeber?

    Ihr Arbeitgeber hat Ihnen gegenüber diverse Pflichten, die sich grundsätzlich nicht von regulären Jobs unterscheiden. Er muss Sie zunächst entsprechend Ihres Arbeitsvertrages beschäftigen und regelmäßig Lohn zahlen. Arbeitsverhältnisse können mündlich und schriftlich geschlossen werden. Es ist immer besser, einen schriftlichen Arbeitsvertrag zu haben. Sie haben zwar keinen Anspruch darauf, spätestens nach einem Monat nach Beschäftigungsbeginn müssen aber die wesentlichen Bedingungen, unter den Sie arbeiten, schriftlich dokumentiert sein. Das regelt das BGB, § 611. In dieser Niederschrift müssen verschiedene Angaben aufgeführt sein, zum Beispiel Namen und Anschriften der Vertragsparteien, Beginn des Jobs, Bezahlung bzw. Eingruppierung in eine Tarifstufe, wöchentliche Stundenzahl, Art und Umfang der Tätigkeit, Kündigungsfristen und Urlaubsansprüche. Das gilt leider nicht für vorübergehende Aushilfen mit einer Einsatzzeit bis zu einem Monat.

    Der Arbeitgeber ist ebenfalls verpflichtet, Ihren Minijobs bei der Knappschaft Bahn-See anzumelden, da dort alle Sozialabgaben eingezogen werden.

    Da alle Beschäftigten in den Geltungsbereich der gesetzlichen Unfallversicherung fallen, muss Ihr Arbeitgeber Sie in der zuständigen Berufsgenossenschaft versichern. Damit sind Sie bei Unfällen auf der Arbeit und auf dem Weg dorthin oder von der Arbeit nach Hause abgesichert. Das gilt auch und besonders für Beschäftigte in Privathaushalten! Da es hier keine Berufsgenossenschaft gibt, muss Ihr Arbeitgeber eine Unfallversicherung für Sie abschließen.

    Weiterhin muss der Arbeitgeber Sie über die Möglichkeit informieren, dass Sie auf die Befreiung von der Rentenversicherungspflicht verzichten können. Die Zahlung eigener Beiträge kann sehr sinnvoll sein, da Sie Ansprüche in der gesetzlichen Rentenversicherung erwerben. Diese sind zwar finanziell marginal, aber Sie sichern sich mit der Aufstockung volle Beitragszeiten! Dies ist insbesondere dann wichtig, wenn der Minijob eine phasenweise Beschäftigung in Ihrer Erwerbsbiographie ist. Und Sie erwerben mit der Zahlung voller Beiträge Ansprüche auf Leistungen zur Rehabilitation und auf Erwerbsminderungsrenten. Und Sie erhalten die Möglichkeit zum Aufbau einer privaten Altersvorsorge mit staatlicher Förderung. Wobei die Inanspruchnahme der staatlichen Förderung die Zahlung eines Eigenbeitrages voraussetzt, der bei einem Einkommen von weniger als 400 Euro überhaupt erstmal "übrig bleiben" muss. Diese Information muss in einer Erklärung dokumentiert werden, die Ihren Lohnunterlagen beigefügt wird. Außerdem muss Ihr Arbeitgeber klären, ob Sie weitere Minijobs haben, damit er die Überschreitung der Verdienstgrenze prüfen kann.

    Und Ihr Arbeitgeber muss sich selbstverständlich an Arbeitsschutzbestimmungen und an geltendes Recht halten. Das betrifft zum Beispiel Ihr Recht auf Lohnfortzahlung im Krankheitsfall oder in der Mutterschutzfrist. Arbeiten Sie in einem Betrieb mit nicht mehr als 20 bzw. 30 Beschäftigten - ohne Teilzeitkräfte, dann muss Ihr Arbeitgeber dafür 0,1% Ihres Arbeitsentgeltes als Umlage in eine Lohnfortzahlungskasse bei der Knappschaft Bahn-See einzahlen.

    Was kann ich tun, wenn ich nicht bekomme, was mir zusteht? An wen kann ich mich wenden?

    Es gibt viele Beispiele dafür, dass Beschäftigte mit Minijobs zwar um Ihre Rechte wissen, aber dennoch nicht bekommen, was Ihnen zusteht.

    Es gibt verschiedene Wege der Information. Zunächst bietet sich an, mit KollegInnen, die in einer ähnlichen Situation sind, zu sprechen und sich auszutauschen. Das ist oft ein erster Schritt, der stärkt, denn Sie werden feststellen, dass Sie nicht allein sind mit Ihrem Problem. Und zu zweit oder zu dritt ist es schon einfacher, etwas zu unternehmen.

    Und es ist wichtig, sich über eigene Rechte und Pflichten zu informieren. Dazu wollen wir hier einen Beitrag leisten. Unter dem nächsten Punkt finden Sie Literaturempfehlungen, die umfassende Informationen und wichtige Adressen enthalten. Alle Gewerkschaften haben eigene Internetauftritte, bei denen schnell die geeigneten AnsprechpartnerInnen in Ihrem Umfeld zu finden sind. Auch eine Klärung der eigenen Kompetenzen und Erfahrungen kann helfen, denn diese bringen Sie in den Betrieb ein. Und Sie sind nicht ohne weiteres zu ersetzen, denn das Einarbeiten neuer KollegInnen kostet auch Geld und Zeit.

    Holen Sie sich Unterstützung! Diese bekommen Sie auf jeden Fall bei Ihrer zuständigen Gewerkschaft. Dort arbeiten KollegInnen, die sich auskennen und Erfahrungen mit arbeitsrechtlichen Konflikten haben. Auch können Wissen und AnsprechpartnerInnen aus ähnlichen Fällen vermittelt werden. Die Gewerkschaft unterstützt Sie bei allen Fragen rund um das Thema Arbeit und vertritt Sie notfalls auch vor Gericht.

    Ansprechpartner sind natürlich auch Betriebs- bzw. Personalräte vor Ort. Es gibt weiterhin viele engagierte Frauen- und Gleichstellungsbeauftragte, in Betrieben aber auch in Kommunen. Manchmal ist ein offenes Wort direkt mit dem Arbeitgeber auch eine Möglichkeit und es gilt, sich einfach mal zu trauen, die eigenen Fragen zu stellen. Dies gilt insbesondere, wenn Sie ein/e anerkannte/r Kollege/in sind und ihre Leistung geschätzt wird. Dann ist es wichtig, einen guten Zeitpunkt für dieses Gespräch zu wählen.

    Wo finde ich weitere Informationen?

    Literaturtipps:

    • 400€-Mini- und Midijobs. Regelungen bei der geringfügigen Beschäftigung. Mit den Neuregelungen ab 01.01.2007 (Hg: Vereinte Dienstleistungsgewerkschaft ver.di. Berlin, Juni 2006): verdi@scholz-direct.de
    • Der DGB hat ein Grundsatzpapier zu politischen Hintergründen und Argumenten gegen Minijobs herausgegeben: DGB-Bestellservice

    Wichtige Adressen: